Menschen mit Hörbehinderung in Zeiten der „Masken-Trage-Pflicht“

 

Deutlich und verständlich zu sprechen, während wir einen Mundschutz tragen, ist für den einen oder anderen schon eine Herausforderung.

 

Doch wie ist es für Menschen mit Hörbehinderung?

Sei es komplette Taubheit oder Schwerhörigkeit, Träger eines Hörgerätes oder Chochlea Implantates, bei welchen laute Neben- / Hintergrundgeräusche das Hören nahezu unmöglich machen?

 

Wenn sie darauf angewiesen sind von den Lippen zu lesen, weil Gebärdensprache nicht ausreicht oder nicht erlernt ist?

 

Ist Ihnen schon aufgefallen, wie schwer es in der heutigen Zeit ist, Menschen zu verstehen, deren Mund vom Mundschutz bedeckt ist?

 

Auch wenn unser Gehör sehr gut funktioniert, ergänzen wir automatisch und unbewusst das gesprochene Wort bei sehr lauten Nebengeräuschen, indem wir auf die Lippen unseres Gegenüber schauen.

Fehlt uns die Ansicht dieses Gesichtsteils allerdings, haben auch Menschen mit einem sehr guten Gehör Schwierigkeiten zu verstehen.

 

Bestimmt ist es Ihnen auch schon passiert, dass Sie in einer Bäckerei standen und die Verkäuferin Sie ratlos angeblickt hat, als Sie Ihre Bestellung aufgegeben hatten? Erst als Sie laut und deutlich gesprochen und eventuell auch noch mit dem Finger auf die entsprechende Ware gedeutet haben, hat die Verkäuferin gewusst, was Sie bestellen wollten.

Nun stellen Sie sich einen Menschen mit Hörbehinderung vor, der nur ganz wenig oder auch gar nichts mehr hört.

 

Bevor das Tragen eines Mundschutzes zur Pflicht wurde, diente „von den Lippen zu lesen“ der Verständigung im Alltag. Nicht nur beim Einkaufen, sondern auch zum Beispiel auf dem Weg dort hin oder in der Schlange vor dem Geschäft. Ist es Ihnen nicht auch schon passiert, dass jemand versucht hat mit Ihnen zu sprechen und Sie haben es nicht bemerkt, weil Sie nicht gesehen haben, dass sich hinter dem Mundschutz die Lippen des gegenüber bewegt haben? Haben Sie nicht auch schon die Stimme „überhört“ weil Sie nicht gesehen haben, dass Sie angesprochen wurden?

 

Menschen mit Hörbehinderung sind darauf angewiesen das Gesicht der Person, mit der sie kommunizieren wollen - oder müssen - komplett zu sehen.

 

Ob es im Restaurant, beim Friseur, beim Arzt ist, ohne die Möglichkeit des Lippen-Lesens sind Menschen mit Hörbehinderung benachteiligt, fühlen sich vielleicht sogar ausgeschlossen.

Es ist äusserst hilfreich, wenn die Person am Bankschalter, an der Kinokasse, an der Infostelle… kurz die Maske nach unten zieht, wenn sie von dem vor ihr stehenden Menschen mit Hörbehinderung ein Zeichen bekommt, dies zur besseren Verständigung zu tun.

 

Es ist ein kurzer Moment der Aufmerksamkeit, um die Kommunikation zu ermöglichen und zu erleichtern. Denn dieses Gefühl der Hilflosigkeit, dem sich der Mensch mit Hörbehinderung in den heutigen Zeiten ausgesetzt fühlt, kann mit einer einfachen Geste entgegen gewirkt werden, ohne dabei die Verpflichtung der Einhaltung der gegebenen Schutzmassnahmen zu verletzen.

 

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