Theater m5


Theaterspiel - Theaterstück : "Oma + Opa"


Zwei Schauspielerinnen "Dick und Doof"



Bericht über die Silvesterparty mit Theater »m5« am 31.12.2013

                   in  der Heidenheimer Lebenshilfe (HWW)

 

Am 31.12.2013 feierte der Gehörlosenverein »Initiative Schlüssel für Alle e.V.« mit Mitgliedern und Gästen eine Silvesterparty.  Schon gegen 14.00 Uhr trafen die ersten Gäste ein. Der Nachmittag begann gleich mit einem gemeinsamen Kaffeetrinken, bei dem es vielerlei selbstgemachten Kuchen gab. Einige der Gäste hatten sich lange nicht gesehen. So gab es sofort viele nette Unterhaltungen und freudige Wiedersehen.

Um 16.15 Uhr trat die Comedy-Clowngruppe Sintez-Buff mit einer tollen, nonverbalen Show auf. Eine Stunde lang gab es viel zu lachen, Spannung und Mitmachaktionen, zu denen einige Gäste auf die Bühne geholt und in die Show einbezogen wurden. 

Im Anschluss daran startete das Ratespiel »Was ist im Karton? « Es wurden drei Blätter verteilt, die den Inhalt des Kartons beschrieben, und zwar Architektur, Land Bayern und Sehenswürdigkeit. Jeder durfte mitraten und hatte die Chance auf einen Gewinn. Überraschenderweise tippten acht Leute auf die richtige Antwort, die Bayern Allianz Arena.  Unter diesen acht Teilnehmern wurde der Preis, eine Tour durch die Allianz Arena mit Führung, verlost. Die glückliche Gewinnerin war Frau Manuela Otto aus Heidenheim, die auch noch Bayern-Fan ist. Was für ein schöner Zufall!

Kurz vor dem Abendessen wurden die »Besten Helfer« geehrt. Sie erhielten einen kleinen »Oscar«. Stefan Wiedemann und Georg Ziegler waren extra nach München gefahren, um Herrn Sepp Sammereier abzuholen. Dieser ist gehörlos und seit einem Unfall querschnittsgelähmt. Da er auf seinen Rollstuhl angewiesen ist und in einer Wohnung im 4. Stock ohne verfügbaren Fahrstuhl lebt, war es ihm nicht möglich, ohne Hilfe das Haus zu verlassen. Damit er trotzdem an der Feier teilnehmen konnte, trugen ihn die beiden Männer die vier Stockwerke mit seinem Rollstuhl herunter und brachten ihn von München nach Heidenheim. Eine tolle Leistung, für die den Beiden nun herzlich gedankt wurde. Herr Sammereier bedankte sich zusätzlich  mit einem tollen Blumenstrauß bei Frau Birgit Ziegler, die jede Woche von Augsburg zu ihm nach München kommt, um etwas zu helfen.

Anschließend gab es ein herrliches Abendessen.

Schon war es Zeit für das Theaterspiel »m5«. Dafür hatten einige von uns Stücke einstudiert, in denen wir unseren Verein vorgestellten und unsere Erfahrungen wiedergaben.

Zum Beispiel wurde der Name unseres Vereins erklärt – »Initiative Schlüssel für Alle«. Was bedeutet das? Was heißt Initiative? Woher kommt der Name »Schlüssel für Alle«? Unser Gehörlosenverein ist eine Aktionsgruppe, die für gleichberechtigte und kommunikative Teilhabe hörbehinderter Menschen im hörenden Umfeld kämpft.

Durch den Rechtsanspruch auf ein persönliches Budget 2008 bekommen die Gehörlosen einen »Schlüssel« zur Selbsthilfe und können mit diesem »Schlüssel« Türen öffnen. Solch ein Schlüssel öffnet Türen, ist ein Zugang zu barrierefreien Medien, Zugang zu Kommunikation. Das ist ein wichtiger Schritt zu Bildung und Verstehen für alle. So entstand der Name »Initiative Schlüssel für Alle«. Herr  Johann Kalteis gründete den Verein als selbst Betroffener und setzt sich seit dieser Zeit für gehörlose Mitmenschen und deren Rechte ein.

Im Anschluss daran wurde auch der Name des Theaters »m5« erklärt. »m5« setzt sich zusammen aus »MIT-verstehen«, »MIT-hören«, »MIT-fühlen«, »MIT-lachen« und »MIT-sehen«. Im Leben eines Gehörlosen gilt es zu viele Kommunikationsbarrieren zu überwinden. Für die Betroffenen ist es oft schwer, damit umzugehen. Denn die Akzeptanz in der Gesellschaft ist nicht zufriedenstellend vorhanden.

Die Theaterstücke zeigten solche Barrieren zwischen hörenden und gehörlosen Menschen, die den Betroffenen aus der Gruppe tatsächlich passiert sind. Sie wollten auf die »Barrieren im Kopf« hörender Menschen aufmerksam machen. Auch machten sie klar, dass sie weiterhin für Akzeptanz und Respekt kämpfen, für leichteren Zugang zu barrierefreien Medien und Hilfe im Alltag.

Nach einem weiteren Spiel von Frau Elfriede Frassek lief langsam der Countdown zum Jahreswechsel. Das neue Jahr wurde gebührend mit Feuerwerk, vielen Umarmungen, guten Wünschen und einem Schluck Sekt begrüßt.

Noch bis etwa 2:30 Uhr wurde gemeinsam gefeiert, bis dann auch die letzten Gäste nach Hause gingen. Es war eine tolle Silvesterparty mit wunderbarem Theater.

 

                        Zum Schluss herzlichen Dank an alle Mitwirkenden und Gäste!

                                 Wir sehen und verstehen uns gewiss bald wieder!

 

Ungerechtigkeiten bekämpfen

 

Verein „Schlüssel für Alle“ setzt sich für Menschen mit Hörbehinderung ein.

 

Von Karin Greth  

2010 wurde in Heidenheim der rund 60 Mitglieder große Verein „Initiative Schlüssel für Alle“ eingetragen. Der Verein unterstützt hörbehinderte Menschen sowie deren Angehörige und hilft ihnen, ihre Rechte wahrzunehmen. Dies geschieht durch Informationen über gesetzliche Vorschriften und mögliche Anlaufstellen, durch Erfahrungsaustausch und politische Arbeit. Als Interessensvertretung will man auf Ungerechtigkeiten und gesetzliche Lücken hinweisen, gegen kommunikative Barrieren, Diskriminierung und Ausgrenzung kämpfen. Ziel ist es, die selbstverständliche Teilhabe am Leben in der Gesellschaft und am Erwerbsleben zu ermöglichen.

 

Kommunikation ist eine zentrale Voraussetzung für ein selbst bestimmtes Leben. „Sie ist der Schlüssel zur Selbsthilfe“, so Vereinsvorsitzender Johann Kalteis. Es gibt viele Maßnahmen und technische Möglichkeiten, die gehörlosen Menschen helfen. Ein Klingeknopf an der Haustüre, der ein Lichtsignal in der Wohnung auslöst. Internet, Drucker, Bildtelefon, Computer, Faxgerät, gelegentlich die Assistenz durch einen so genannten Kommunikationshelfer als Dolmetscher.

 

Um die Betroffenen bei der Finanzierung dieser Möglichkeiten zu unterstützen, gibt es seit 2008 in Deutschland für Menschen mit Behinderungen einen Rechtsanspruch auf ein „persönliches Budget“.

 

Dieses „persönliche Budget“ ist ein zentrales Thema in der Vereinsarbeit und Auslöser für die Gründung der Initiative. „Entsprechende Anträge werden oft ignoriert, jahrlang bearbeitet und dann ohne konkrete Gründe einfach abgelehnt“, so die negative Erfahrung von Johann Kalteis.

 

Oft stehe den Betroffenen ein zeit- und kräfteraubender Weg bis zur Gewährung bevor. Mancher verzichte deshalb auf die Durchsetzung dieses Rechtsanspruchs. Doch ohne Kommunikationsmöglichkeit drohe einem Hörbehinderten ein Leben in Isolation. Der Verein begleitet die Betroffenen deshalb auf dem Weg zum „persönlichen Budget“.

 

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit. Mit Veranstaltungen, zu denen Hörbehinderte und Hörende gleichermaßen eingeladen sind, sollen Barrieren im Kopf überwunden und ein angstfreier und würdevoller Umgang miteinander gefördert werden.

 

Ziel des Vereins ist es außerdem, das Leben hörbehinderter Menschen zu bereichern und die Entfaltung der Persönlichkeit und Fähigkeiten zu fördern.

 

Es gibt Sylvesterpartys, ein Sommerfest und Auftritte der zum Verein gehörenden Theatergruppe „M 5“.

 

Gespielt werden Szenen aus dem Alltag der Gehörlosen. „Wir wollen zeigen, was wir erleben, erfahren und erkennen“, so der Vorsitzende.

 

Der Name der Theatergruppe verweist auf die Anfangsbuchstaben der fünf Bitten, mit denen sich die Gehörlosen an die Hörenden wenden: Mit-Verstehen, Mit-Hören, Mit-Fühlen, Mit-Lachen, Mit-Sehen.

 

Weitere Infos und Kontakt zum Verein per E-Mail unter info@initiative-schluessel-fuer-alle.de.